Bonsai Umtopfen
Wir durften unserem Mitglied Rentner beim Bonsai Umtopfen über die Schulter schauen und seine Erfahrungen sollen Euch helfen, falls Ihr ebenfalls vorhabt Bonsai's Umzutopfen.Bilder und Text unterliegen dem Copyright und dürfen ohne Zustimmung von unserem Mitglied Rentner nicht kopiert oder anderweitig verwendet werden.
HINWEIS
In meinem Beispiel wird ein Ahorn umgetopft.
Bei anderen Arten, wie z.B. Fukientee, muss anders verfahren werden.
Fragen zu den jeweiligen Besonderheiten anderer Pflanzen, könnt Ihr Hier stellen.
Es geht los
Ausgesucht wurde der Dreierstamm eines Spitzahorns.

Eine neue Schale ist von Nöten, da die alte dem Frost nicht standgehalten hat.

Die neue Behausung wird eine runde Tokoname sein.

Vorbereitung der Schale
Durch die beiden kleinen Aufnahmelöcher im Boden der Schale wird ein Fixierdraht gezogen, der die frisch getopfte Pflanze festhalten soll.
Das ist sehr wichtig, damit das Bäumchen engen Kontakt mit dem neuen Substrat hat und die neu zu bildenden Faserwurzeln nicht gleich bei der kleinsten Bewegung sofort wieder abreißen.

Als nächstes erfolgt der Zuschnitt eines passenden Abdecknetzes für das große Loch im Schalenboden. Dieses Netz verhindert das Ausrieseln der Erde und hält gleichzeitig größeres Getier fern.

Das zugeschnittene oder fertig gekaufte Netz wird mit Hilfe einer Drahtschlaufe gegen Verrutschen auf dem Schalenboden befestigt.

Das Substrat
Splitt dient als hervorragende Drainageschicht auf dem Schalenboden, eine etwa 1 cm hohe Lage (bei dieser kleinen Schale) verhindert zuverlässig die Bildung von Staunässe.

Kanuma, speziell für Pflanzen die einen sauren Boden lieben, und Akadama, welches eine gute Luftführung, Wasserspeicherfähigkeit und Formstabilität besitzt, eignen sich als Substratbestandteile ganz hervorragend.

Bimskies ist ebenso sehr zu empfehlen, weil es sehr formstabil und luftdurchlässig ist.
Um den organischen Anteil in der Mischung zu erhöhen, kann entweder Torf, Anzuchterde oder auch fertige Bonsaierde beigegeben werden. Etwa ein Esslöffel Hornspäne dient als ausgezeichneter Vorratsdünger, der in etwa einer Vegetationsperiode aufgebraucht wird (Bild 9).

Die Mischung
Hier kommt es selbstverständlich immer auf die Bedürfnisse der jeweiligen Pflanze an.
Azaleen, oder beispielsweise auch Pieris japonica, lieben saure Böden und werden deshalb vorzugsweise in reines Kanuma getopft.
Je älter ein Baum, desto geringer sollte der organische Anteil (z.B. Humus) im Substrat sein.
Jüngere Pflanzen sollen ja noch wachsen, also bekommen sie einen höheren Anteil an Humus.
Als Standarderde kann man getrost eine Mischung aus Akadama, Bims, Splitt und fertiger Erde im Verhältnis 1:1:1:1 empfehlen.
Bei jüngeren Pflanzen gibt man eben 2 Teile Erde dazu. Ahorne bekommen darüberhinaus noch einen Teil Kanuma.
Das ist übrigens nur ein Vorschlag, bzw. mein persönliches Rezept.
Über die passende Erde wurden in diversen anderen Foren schon wahre Glaubenskriege entfacht und seitenweise Romane geschrieben.
Ich empfehle einfach selbst zu probieren und persönliche Erfahrungen zu sammeln.
Entscheidend und unumstößlich ist jedoch die Tatsache, dass jedes Substrat grob und gut durchlässig sein muss.
Auffüllen der Schale
Als erstes wird wie bereits erwähnt, die Splittdrainage eingefüllt.

Dann kommt eine Lage der Mischung in den Pott, etwa 2 cm hoch und zur Mitte hin angehäufelt.

Der Wurzelballen
Bei näherer Betrachtung stellt man hier fest, dass auch ohne Frostschaden der Schale das Umtopfen angebracht ist.

Mit Hilfe eines sogenannten Wurzelhakens (Gabel o.ä. geht auch) lässt sich der Ballen gut auskämmen.

Die herabhängenden Stränge werden mit einer scharfen Schere abgeschnitten. Dickere Wurzeln, die nach unten wachsen, mit einer Wurzelzange oder Rosenschere eingekürzt. Geschnitten wird grundsätzlich etwa ein Drittel des Ballens.

Eintopfen
Nun wird das gestutzte Pflänzchen auf das angehäufelte Substrat gesetzt und dort mit Drehbewegungen (damit guter Kontakt gewährleistet ist) fest in Schale gedrückt.

Anschließend legt man den Draht über den oberirdischen Wurzelbereich und verdrillt die Enden, so wackelt nichts mehr.
Dann wird das restliche Substrat eingefüllt und mit Holzstäbchen o.ä. in die Hohlräume zwischen den Wurzeln gestochert. Klopfen gegen den Schalenrand lässt die Erde ebenfalls in die Zwischenräume rieseln.

Die letzten Handgriffe
Zu guter Letzt muss man das eingetopfte Bäumchen durchdringend wässern (bis überschüssiges Wasser durch das Abzugsloch läuft), damit der Ballen gleichmäßig durchfeuchtet wird.
Ich persönlich gebe meinen frisch getopften Pflanzen immer ein paar Tropfen eines Hormonpräparates (Superthrive) mit ins Wasser, weil ich meine, es beeinflusst bzw. unterstützt das Anwachsen positiv.

Das fertig getopfte Bäumchen wird nun die nächste Zeit sonnen-, wind- und vor allen Dingen frostgeschützt aufgestellt, etwa 4-5 Wochen nicht gedüngt (die gekappten Wurzelspitzen können das Zeug wahrscheinlich gar nicht verarbeiten) und nur bei Bedarf gewässert.

Sollte ich wichtige Hinweise vergessen haben, bitte ich hiermit um Ergänzungen.
Fragen zu speziellen Arten wie Immergrünen, zu Besonderheiten oder zu Zeiten sind jederzeit herzlich willkommen und ausdrücklich erwünscht.
P.S. Das alte Substrat wird natürlich nicht weggeworfen sondern beispielsweise für abgemooste, gefundene oder im eigenen Garten ausgegrabene Bäumchen verwendet.
