Bonsai Abmoosen (Toriki)
Wir durften unserem Mitglied Rentner beim Bonsai Abmoosen (Toriki) über die Schulter schauen und seine Erfahrungen sollen Euch helfen, falls Ihr ebenfalls vorhabt Bonsai's abzumoosen.Bilder und Text unterliegen dem Copyright und dürfen ohne Zustimmung von unserem Mitglied Rentner nicht kopiert oder anderweitig verwendet werden.
Vorbereitung
Es gibt verschiedene Abmoostechniken wie beispielsweise den Zungenschnitt, die Abmoosscheibe oder die Entrindungsmethode.
Ich habe mich bei meinem Versuch für die Entrindungstechnik entschieden.
Materialien
Sphagnum Moos:
Dieses Moos ist unwahrscheinlich ergiebig, d.h. quellfähig. Ich habe eine gepresste 100g Tafel geviertelt und in 0,4 ltr. warmes Wasser gelegt. In kurzer Zeit war der komplette Messbecher mit Moos gefüllt.
1 scharfes Messer:
Ein scharfes Messer ist wichtig um die Rinde etwa im doppelten Astdurchmesser ringsum bis in das Kambium einzuschneiden. Anschließend wird die Rinde komplett abgezogen.
Draht (1mm):
Der Draht soll an der Schnittstelle zusätzlich abschnüren um die Wurzelbildung nachhaltiger anzuregen.
Folie:
Nachdem der entrindete Bereich mit dem Shagnum Moos großzügig bedeckt ist, wird das Ganze mit Folie umwickelt und mit Bindedraht oder einer Schnur befestigt und geschlossen.
Wichtig:
Das Moos darf niemals austrocknen!
Hier ein Bild vom notwendigen Material

Das gequollene Sphagnum Moos

Los geht es!
10.03.2007
Hallo Freunde,
dieses Jahr werde ich meinen ersten Abmoosversuch starten.
Als Mutterpflanze habe ich mir einen "Gemeinen Liguster - Ligustrum vulgare" ausgesucht. Die Pflanze hat sich vor etwa 4 Jahren von Nachbars Hecke aus, per Beerenausaat in meinem Garten niedergelassen. Sie ist meiner Ansicht nach für ein Anfängerprojekt geeignet.
Ich beabsichtige über alle Maßnahmen in Wort und Bild regelmäßig zu berichten.
Das erste Bild zeigt den geplanten Abmoosbereich, sowie die späteren Kappstellen

Der Ringschnitt ins Kambium

Die vorbereitete Folie und den gedrahteten Bereich

Das eingewickelte und gut verschlossene Moos

12.05.2007
Hier sieht man rechts eine ca. 3 cm lange Wurzel.

Es sind die ersten Abmoosversuche und nachdem es zu klappen scheint, eröffnen sich damit viele Möglichkeiten relativ schnell an starke und ausbaufähige Ausgangspflanzen zu kommen. Die Zeitersparnis ist enorm und man kann den zukünftigen Baum bereits am Ast betrachten und evtl. sogar schon grob gestalten.
Ich habe irgendwo gelesen, dass sich bestimmte Pflanzen mit dem Durchmesser eines Unterarmes noch abmoosen lassen.
Nächstes Jahr werde ich mich an ein gigantisches Pfaffenhütchen in meinem Garten wagen.
30.06.2007
Heute war es nun so weit, nach ca. 15 Wochen habe ich den Liguster abgenabelt. Das Wurzelbild sieht erfolgversprechend aus


Die abgemooste Pflanze habe ich dann heute komplett, d.h. mit der Hülle aus Spagnum-Moos in relativ grobkörniges Substrat getopft, schattig aufgestellt und regelmäßig besprüht.
Heute nun steht der Liguster stabil im Topf, was darauf schließen lässt, dass die Bewurzelung weiter voran geschritten ist.
Der Austrieb ist fest und saftig grün.
P.S. Die Pflanze ist in der Tat keine Schönheit, da es ja letztendlich um einen "ersten" Abmoosversuch ging.
Trotzdem wird sie weiterhin mit Respekt und unter Beachtung ihrer Würde behandelt und gepflegt.
Eine annähernd passende Gestaltungsform wird sich finden.

10.08.2007
Der Liguster hat es definitiv geschafft. Der neue Austrieb beweist es in aller Deutlichkeit

Ach übrigens: Die durch Abmoosen gewonnenen Bäumchen können bei guter Pflege sogar die Gartenmöbel aus Teakholz überleben. Bonsaibäume können bei guter Pflege viele hundert Jahre alt und sehr wertvoll werden. Teakholz ist zwar auch langlebig aber als in Gebrauch befindliche Gartenmöbel werden diese vielleicht gerade einmal eine Menschen-Generation überstehen.
Haben Sie Fragen oder Anregungen, dann senden Sie eine Email an webmaster@bonsai-ratgeber.de