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Geschrieben von Rentner am 21.01.2008 um 08:57:

Daumen hoch! Umtopfen

Hallo Leute,

hier werden wir demnächst versuchen, in Wort und Bild eine anschauliche Schritt-für-Schritt-Anleitung für das Umtopfen inklusive Wurzelschnitt vorzustellen.

Bis dann...



Geschrieben von bonsai46 am 23.01.2008 um 13:12:

 

Jot Pit,

her damit, ich freue mich schon. großes Grinsen großes Grinsen großes Grinsen



Geschrieben von Rentner am 15.02.2008 um 13:06:

 

Anfang März gehen wir es an. smile



Geschrieben von Jako am 15.02.2008 um 17:52:

 

Gespannt isser großes Grinsen



Geschrieben von diva1502 am 15.02.2008 um 17:57:

 

Ja ich warte und ich warte und ich warte großes Grinsen Augenzwinkern



Geschrieben von Jako am 15.02.2008 um 18:09:

 

Mitwarte großes Grinsen



Geschrieben von Rentner am 19.02.2008 um 18:07:

 

Es ist zwar noch nicht Anfang März, aber heute musste es einfach sein.

Ausgesucht wurde der Dreierstamm eines Spitzahorns (Bild 1).
Eine neue Schale ist von Nöten, da die alte dem Frost nicht standgehalten hat (Bild 2).
Die neue Behausung wird eine runde Tokoname sein (Bild 3).



Geschrieben von Rentner am 19.02.2008 um 18:16:

 

Vorbereitung der Schale

Durch die beiden kleinen Aufnahmelöcher im Boden der Schale wird ein Fixierdraht gezogen, der die frisch getopfte Pflanze festhalten soll.

Das ist sehr wichtig, damit das Bäumchen engen Kontakt mit dem neuen Substrat hat und die neu zu bildenden Faserwurzeln nicht gleich bei der kleinsten Bewegung sofort wieder abreißen (Bild 4).

Als nächstes erfolgt der Zuschnitt eines passenden Abdecknetzes für das große Loch im Schalenboden. Dieses Netz verhindert das Ausrieseln der Erde und hält gleichzeitig größeres Getier fern (Bild 5).

Das zugeschnittene oder fertig gekaufte Netz wird mit Hilfe einer Drahtschlaufe gegen Verrutschen auf dem Schalenboden befestigt (Bild 6).



Geschrieben von Rentner am 19.02.2008 um 18:22:

 

Das Substrat

Splitt dient als hervorragende Drainageschicht auf dem Schalenboden, eine etwa 1 cm hohe Lage (bei dieser kleinen Schale) verhindert zuverlässig die Bildung von Staunässe (Bild 7).

Kanuma, speziell für Pflanzen die einen sauren Boden lieben, und Akadama, welches eine gute Luftführung, Wasserspeicherfähigkeit und Formstabilität besitzt, eignen sich als Substratbestandteile ganz hervorragend (Bild 8).

Bimskies ist ebenso sehr zu empfehlen, weil es sehr formstabil und luftdurchlässig ist.
Um den organischen Anteil in der Mischung zu erhöhen, kann entweder Torf, Anzuchterde oder auch fertige Bonsaierde beigegeben werden. Etwa ein Esslöffel Hornspäne dient als ausgezeichneter Vorratsdünger, der in etwa einer Vegetationsperiode aufgebraucht wird (Bild 9).



Geschrieben von Rentner am 19.02.2008 um 18:30:

 

Die Mischung

Hier kommt es selbstverständlich immer auf die Bedürfnisse der jeweiligen Pflanze an.

Azaleen, oder beispielsweise auch Pieris japonica, lieben saure Böden und werden deshalb vorzugsweise in reines Kanuma getopft.

Je älter ein Baum, desto geringer sollte der organische Anteil (z.B. Humus) im Substrat sein.

Jüngere Pflanzen sollen ja noch wachsen, also bekommen sie einen höheren Anteil an Humus.

Als Standarderde kann man getrost eine Mischung aus Akadama, Bims, Splitt und fertiger Erde im Verhältnis 1:1:1:1 empfehlen.
Bei jüngeren Pflanzen gibt man eben 2 Teile Erde dazu. Ahorne bekommen darüberhinaus noch einen Teil Kanuma.

Das ist übrigens nur ein Vorschlag, bzw. mein persönliches Rezept.
Über die passende Erde wurden in diversen anderen Foren schon wahre Glaubenskriege entfacht und seitenweise Romane geschrieben.
Ich empfehle einfach selbst zu probieren und persönliche Erfahrungen zu sammeln.
Entscheidend und unumstößlich ist jedoch die Tatsache, dass jedes Substrat grob und gut durchlässig sein muss.



Geschrieben von Rentner am 19.02.2008 um 18:34:

 

Auffüllen der Schale

Als erstes wird wie bereits erwähnt, die Splittdrainage eingefüllt (Bild 10)

Dann kommt eine Lage der Mischung in den Pott, etwa 2 cm hoch und zur Mitte hin angehäufelt (Bild 11).



Geschrieben von Rentner am 19.02.2008 um 18:40:

 

Der Wurzelballen

Bei näherer Betrachtung stellt man hier fest, dass auch ohne Frostschaden der Schale das Umtopfen angebracht ist (Bild 12).

Mit Hilfe eines sogenannten Wurzelhakens (Gabel o.ä. geht auch) lässt sich der Ballen gut auskämmen (Bild 13).

Die herabhängenden Stränge werden mit einer scharfen Schere abgeschnitten. Dickere Wurzeln, die nach unten wachsen, mit einer Wurzelzange oder Rosenschere eingekürzt. Geschnitten wird grundsätzlich etwa ein Drittel des Ballens (Bild 14).



Geschrieben von Rentner am 19.02.2008 um 18:44:

 

Eintopfen

Nun wird das gestutzte Pflänzchen (Bild 15) auf das angehäufelte Substrat gesetzt und dort mit Drehbewegungen (damit guter Kontakt gewährleistet ist) fest in Schale gedrückt.

Anschließend legt man den Draht über den oberirdischen Wurzelbereich und verdrillt die Enden, so wackelt nichts mehr.

Dann wird das restliche Substrat eingefüllt und mit Holzstäbchen o.ä. in die Hohlräume zwischen den Wurzeln gestochert. Klopfen gegen den Schalenrand lässt die Erde ebenfalls in die Zwischenräume rieseln (Bild 16).



Geschrieben von Rentner am 19.02.2008 um 18:54:

 

Zu guter Letzt muss man das eingetopfte Bäumchen durchdringend wässern (bis überschüssiges Wasser durch das Abzugsloch läuft), damit der Ballen gleichmäßig durchfeuchtet wird.


Ich persönlich gebe meinen frisch getopften Pflanzen immer ein paar Tropfen eines Hormonpräparates (Superthrive) mit ins Wasser, weil ich meine, es beeinflusst bzw. unterstützt das Anwachsen positiv (Bild 17).

Das fertig getopfte Bäumchen (Bild 18) wird nun die nächste Zeit sonnen-, wind- und vor allen Dingen frostgeschützt aufgestellt, etwa 4-5 Wochen nicht gedüngt (die gekappten Wurzelspitzen können das Zeug wahrscheinlich gar nicht verarbeiten) und nur bei Bedarf gewässert.

Sollte ich wichtige Hinweise vergessen haben, bitte ich hiermit um Ergänzungen.

Fragen zu speziellen Arten wie Immergrünen, zu Besonderheiten oder zu Zeiten sind jederzeit herzlich willkommen und ausdrücklich erwünscht.

P.S. Das alte Substrat wird natürlich nicht weggeworfen sondern beispielsweise für abgemooste, gefundene oder im eigenen Garten ausgegrabene Bäumchen verwendet (Bild 19).



Geschrieben von Jako am 19.02.2008 um 20:42:

 

Super Beiträge Pit großes Grinsen



Geschrieben von diva1502 am 19.02.2008 um 20:44:

 

danke für diesen ausführlich wertvollen beitrag Pit, ich hatte keine vorstellung davon wieviel wurzeln man wegschneiden muss....jetzt weis ich das man vieeeeeel abschneiden muss geschockt Ich werde bald mit hilfe deines Beitrages auch mein bonsai das erste mal umtopfen



Geschrieben von Schnubbelchen am 20.02.2008 um 00:07:

 

Vielen Dank für diese sehr gute Erklärung. Hab einiges gelernt Augenzwinkern



Geschrieben von eve am 20.02.2008 um 08:06:

 

danke pit - der ist wirklich super gemacht !


und....

sooooooviel hab ich noch nie weggeschnitten geschockt



Geschrieben von Rentner am 20.02.2008 um 20:25:

 

Zitat:
Original von diva1502
ich hatte keine vorstellung davon wieviel wurzeln man wegschneiden muss....


Stopp geschockt geschockt
In meinem Beispiel wurde ein Ahorn umgetopft. Bei anderen Arten, wie z.B. Fukientee, muss anders verfahren werden.

Deswegen auch der Hinweis, Fragen zu den jeweiligen Besonderheiten anderer Pflanzen zu stellen.
Ein Fukientee würde bei einem derartigen massiven Schnitt möglicherweise das Zeitliche segnen. verwirrt



Geschrieben von diva1502 am 21.02.2008 um 22:49:

 

Ahhhhhhhhhhh grad nochmal gut gegangen! Muss demnächst meine Ulme umtopfen wieviel muss ich da wegschneiden? Bzw gibt es einen bestimmten zeitpunkt an dem man umtopft meine ulme zb treibt sehr aus zurzeit soll ich trotzdem?


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